In dem jahr in welchem ich geboren wurde, fand im fernen amerika ein riesiges musikereignis statt, bei dem sich tausende haschischrauchende, langhaarige junge menschen blumen in die haare steckten, der musik von hendriks, joplin und anderen lauschten, die später den rockmusikertod starben, also an ihrem erbrochenen erstickten, und die der überholten, prüden und einer bigoten doppelmoral folgenden sexualmoral ihrer eltern lebwohl sagten und es frei im rudel trieben.
Der tag meiner geburt war in der ddr der tag der volkspolizei, weshalb mein vater auch mit seinen volkspolizeikollegen auf einem revierausflug in prag war und nicht bei meiner mutter im kreißsaal des kreiskrankenhaus. Die herren der exekutive der arbeiter- und bauernmacht nutzen ihre ausflüge, um dem im dienst verbotenen alkoholgenuß zu frönen. Die bilder von aus dem "u-fleku" und anderen einschlägigen schwarzbiergaststuben torkelnden, sich übergebenden wildpinklern sind ja bekannt. Aus diesem grund war mein vater auch später nur selten zu meinen geburtstagsfeiern anwesend, worüber ich nicht wirklich betrübt war.
Nach der wende gab es für einen alkoholkranken ex-ABV mit einem bauch, der gut als biertisch durchging, natürlich nur noch wenig aussicht auf einen bezahlten broterwerb. Doch mein vater schaffte heimlich und unheimlich seine höhere reife nachzuholen im 53. bildungsweg. Danach studierte er medizin im fernstudium von unserer datsche aus, wo er zwischen geranien und staudensellerie für's staatsexamen büffelte. Seit seinem facharztabschluß für neurologie/psychiatrie arbeitet er als niedergelassener nervenklemptner in borsdorf.
Meine mutter war raumpflegerin beim mfs. Eine stelle bei der nachfolgeorganiesation lehnte sie ab, weil die nicht mit ihrem weltbild konform ging. Außerdem wollten die, das meine mutter als cleaner arbeitet. Man kennt das ja aus dem film "leon der profi". Also leute killen und anschließend in der badewanne in säure auflösen. Obwohl wir dann endlich eine badewanne bekommen hätten, lehnte meine mutter ab und ging für ein jahr zum mossad. Sie betreibt seither einen esoterikladen in volkmarsdorf, ist bei den mormonen aktiv und steht da kurz vor ihrer priesterweihe.
Da meine eltern sehr arm waren, mußten sie meinen namen im sonderangebot kaufen. Die namen mußten gekauft werden und namen aus dem ausland waren besonders teuer, außer die russischen. Deswegen heißt mein bruder sascha. Die preiswerteren namen waren z.B. frank, olaf, detlef, knut, bernd und rüdiger. Da mein vater schon bernd heißt und im sonderangebot ein paar schnäppchen lagen, wie: ehdu, duda und verpißdir, willstnschonwidder, war ich mit duda noch recht gut bedient. Schließlich paßte er auch gut zu meinem zweiten rufnamen pißnelke.
Meine erste freundin in der vorschule hieß hauab rosenfurz. Ihr vater war ein ehemaliger saufkumpan und der revierleiter meines vaters, der jetzt in versicherungen machte. Ich dachte: "wozu in versicherungen machen, wenn es toiletten gibt". Seitdem trägt er billige anzüge von der stange und häßliche knallbunte krawatten vom asiatischen händler mit tigern und palmen drauf. Der riecht schon auf drei meilen gegen den wind nach billigem aftershave, und am meisten hasse ich es, wenn er mich dudalein nennt und billige kaugummies mitbringt, der looser.
Ich bin in der ddr aufgewachsen.
Vor der schule mußte ich noch meinen bruder im kindergarten bei frau hauzu abliefern. Die schule war immer einfach für mich. In der zweiten klasse habe ich petra redlich so geschubst, daß sie gegen die scheuerleiste stieß und sich ein loch im kopf zuzog. Die schlimmste strafe dafür war, daß meine mutter mich zu ihren eltern schickte und ich mich entschuldigen und dabei ihren häßlichen strickschal für schön erklären mußte. Das häßliche teil war ein anlaß für meine gewalttat. Ich bin später nie wieder gewalttätig gegenüber frauen geworden. Ehrlich!
Aufgewachsen bin ich in gohlis und eutritzsch. Ich war im pioniergruppenrat und in der fdj-leitung meiner schule. Ich hatte meist nur einsen. Sogar manchmal in betragen. Dafür stand in meinem zeugniss: "Sven ist schwatzhaft". Nur singen konnte ich nie. Mein musiklehrer war immer auf seine und meiner klassenkameraden hörnerven bedacht und meinte, wenn ich zum vorsingen dran war: "setz dich und sag mir den text auf".
Dafür gewann ich kurz nach dem schulwechsel den schulcrosslauf, obwohl viele mitläufer sich runden sparten, indem sie sich hinter bäumen versteckten und in der nächsten runde, wenn ich vorbeikam, sich hinter mir einreihten. ich war zu ehrlich oder zu blöd, außerdem war ich der einzige derdurch den athur brettschneiderpark lief. Das wäre aufgefallen.
Später mußte ich dann wöchentlich zum direx oder seiner stellvertreterin, die noch schärfer war und noch dazu dunkelrot, politisch gesehen. Man wollte mich überzeugen, länger als nötig und vorgeschrieben in der nva meinem sozialistischen vaterland zu dienen. Ich hatte mir dafür schon eine karteikarte vorbereitet auf der stand. "Ich weiß, weshalb sie mich mal wieder aus meinem pubertierenden klassenverband reißen. Sie können sich also die langweiligen beschwörungsfloskeln sparen und gleich mit dem angebot rüberkommen." Alles klar, von da an hatte ich nur einsen auf dem zeugnis. Wie die das hinbekommen haben, daß ich die 10. Klasse mit 1,0 beendete, obwohl ich nur 25% des unterrichts besuchte, weil ich am zusätzlichen verdienst für meine arme familie arbeiteten mußte, weiß ich nicht.
Da ich seit meiner ersten seeräubergeschichte und einer fahrt auf der "weltfrieden" auf dem auensee mich mächtig für die seefahrt interessierte, war mein berufswunsch klar. Ich wollte zur see fahren. Nach einer harten tauglichkeitsuntersuchung und der überprüfung, daß ich keine verwandtschaft westlich des antifaschistischen schutzwall habe, wegen derer ich in hamburg auf nimmerwiedersehen von bord gehen würde, begann ich im jahr 1986 in rostock die lehre zum vollmatrosen der handelsschiffahrt - spezialisierung: deck.
Ich war 1987 (Metallicas "and justice for all" erschien) das erste mal in hamburg. Wir lehrlinge mußten mit einem offizier (kein militär, heißt aber trotzdem so) oder facharbeiter an land gehen. Wir sind mit dem politoffizier und seiner mitreisenden ehefrau an land. Da der heini mit seiner frau allein sexspielzeuge einkaufen wollte oder weiß der geier, hat er uns ins erstbeste pornokino auf der reeperbahn geschickt. Für mich als frauenversteher und rehstreichler ein grauenhaftes erlebniss.
Dann ging es wieder raus auf die nordsee. Da ich brückenwache hatte, habe ich mit dem fernglas die villen an der elbchausee inspiziert. Das war etwas anderes als die gammligen fischerkaten in warnemünde und die plattensiedlung in lütten klein.
Über die nordsee, den englischen kanal, die stürmische biskaya und den atlantik ging es bis zum eingang ins mittelmeer, dem nadelör straße von gibraltar. Dann weiter durch dieses bis ägypten, wo wir uns in den suezkanal einfädelten. Links wüste, rechts wüste, vorm schiff eine wasserstraße. Im roten meer war es affig heiß, im indischen ozean war vier tage kein land zu sehen, dann beiderseits der straße von malakka herrliche mangrovenwälder und ein betörender duft nach ganz viel biomasse in dschungelform mit piratenschlupflöchern. Scharf um singapur abgebogen, durchs südchinesische meer nach tianjin, mein erster chinesischer hafen, an einem mündungsarm des jangttsekjang. Dort mein erstes stäbchenessen im seemannsclub. das war schnell gelernt. Sonst hätten die erfahrenen chinafahrer alles weggegessen. Reine überlebensfrage.
1991 hab ich dann den seesack an den nagel gehängt, weil ich nicht zum alkoholiker werden und noch etwas für meine bildung machen wollte. Und mächtig verliebt war. Außerdem war nach der wende der reiz in die westliche welt zu reisen etwas verloren gegangen. Jetzt waren wir ja auch nsw.
Ich habe dann in leipzig zum siebdrucker umgeschult und am abend das abendgymnasium besucht. Das war die schöne zeit der frühen 90er des letzten jahrhundert. Da war ich anfang 20. Und es gab ständig parties in irgendwelchen häusern. Kasten bier, bullen checken und ab die lucie. Trotzdem hab ich das abi geschafft und 1994 an der uni angefangen, lehramt geschichte zu studieren (förderschulen). Nach einem ernüchternden schulpraktikum in einer mittelschule in grünau wollte ich dann kein lehrer mehr werden und bin zum studium der diplomgeographie gewechselt.
1998 hatte ich dann in rumänien einen schweren skiunfall mit schädel-hirntrauma III. grades, den ich nur mit sehr viel glück überlebte. Ich lag 6 wochen im koma, war 6 wochen im rollstuhl mobil. Nach fast 3 jahren diverser rehageschichten bin ich zurück in meine geliebte heimatstadt und hab mein geographie studium fortgesetzt. Im nächsten jahr mache ich meinen bachelorabschluß. Ich bin jetzt schon doppelt so alt, wie die anfänger am institut und will deshalb endlich fertig werden. Außerdem hab ich mutti versprochen, mit 40 nicht mehr an der uni rumzulungern.