Sie schwillt unaufhörlich an,
unzählig inzwischen die Quellen.
Kaum zu zählen die reißnden Ströme.
Welle um Welle,
bedrohlich, nicht zu bändigen.
Jedes Aufhaltenwollen,
ein Kampf gegen Windmühlen,
lächerlich bis ins Mark.
Ich taste nach einem Standpunkt,
um nicht ins Uferlose gerissen zu werden,
um nicht an einer der zahllosen Untiefen zu zerschellen.
Doch auch diesen festen Ort mußich verlassen,
wird mir dessen Boden zu heiß
Ist kein passendes Boot zur Stelle,
muß ich den Mut aufbringen,
erneut in die tosende Flut zu springen.
Muß mein Boot suchen,
lasse tausend andere vorbeitreiben,
die mir Rettung versprechen.
Habe ich mein Boot gefunden
bin ich noch nicht am Ziel.
Auch die gastlichste Insel, das schönste Ufer
hält mich nicht, wenn es nicht die meine ist.
Erneut fortgezogen, bewege ich mich mit dem Strom,
mal gegen ihn, immer in ihm.
Selbst Boot und Insel sind ein teil von ihm.
Ich suche Ruhe in der Bewegung,
denn Stillstand gibt es nicht.
Zahllose Gestade locken und täuschen mich,
halten mich auf,
zwingen mich zum Umweg, der der einzige Weg ist,
werfen mich benutzt und ausgelaugt zurück ins kalte Naß.
Das Ungeliebte gibt mit mir meine Form zurück.
Warum bin ich nicht dankbar.
Gelingt es mir,
wie nur den wenigsten,
mich aus dem Strom zu erheben,
weiß ich doch,
um meine unausweichliche rückkehr.
Landung oder Absturz?
Jeder meter Höhengewinn
vergrößert meinen Blickwinkel,
um einen Anteil am Risikolosen Abstieg.
Ich steige hinauf,
unaufhaltsam, süchtig geworden,
die Endlosigkeit zu erfahren.
So sehr ich sie auch suche,
ich entdecke sie nicht, meine Insel.
Der Abstand läßt die Konturen verwischen.
Nur noch Brei.
Ich bin satt im Augenblick,
doch unersättlich.
Ich verliere die Orientierung im fremden Licht,
greife, wie blind, nach dem nichtvorhandenen Halteseil.
Im bodenlosen Fallen, zerteilt sich der Nebel.
Ich sehe das erste mal in meinem Leben und wünsche blind zu sein. Schwimmunfähig liege ich am Strand,
salziges Wasser umspült meine verbrannten Flügel und brennt Sand in meine Wunden.
Nur mein blick wird schärfer.
Ich bin gezwungen, zu sehen.
Draußen treiben Wrackteile vorbei,
dazwischen Schiffbrüchige, Über-bord-geworfene,
gesprungene.
Durch das Brüllen der Brandung,
spüre ich die Restwärme eines Körpers,
greife danach im Unbewußtsein meiner Einsamkeit,
wilde Verzweiflung macht mich stark,
läßt meinen Arm den rettenden Balken werfen,
nichtsahnend,
hoffnungsvoll trifft mich der Fluch dessen,
der verdammt ist, mein Schicksal zu teilen.
Schwerelos mit der unerträglichen Last,
baue ich den Leuchtturm meiner Erkenntnis;.
Sein Licht durchdringt die Nebel, umreißt die Klippen.
Schiffe finden den weg,
gleiten vorbei am Kap der Einsamkeit,
umschiffen den Strudel der Rastlosigkeit,
passieren friedlich den Meridian des Hasses.
Nicht alle erreichen ihren Zielhafen,
ihren Bestimmungsort verfehlen sie nicht.
Sven Dschaeggl/Connewitz