Gekidnapt zwischen stahmeln und lützschena

Letztens hat karl-heinz junggesellenabschied gefeiert. War ein ziemliches besäufnis. Ein paar tüten gingen wohl auch rum. Gegen elf hab ich mich auf den heimweg gemacht, ist besser, denn meine alte hat 'ne harte linke. Ich also zur straßenbahn. Doch irgendwie kam ich auf die falsche straßenseite und stieg in die 11 ein. Am bahnhof merkte ich, daß ich die falsche richtung gewählt hatte. Aber da die flasche klarer von eberhard, der am leuschnerplatz zugestiegen war, noch fast voll war, bin ich nicht ausgestiegen.

Hät'sch Das mal nur gemacht. Am chauseehaus war die flasche halb leer. Eberhard wollte in den anker und hat mich mit dem rest sitzenlassen. Irgendwie muß ich zwischen möckern und wahren weggenickt sein. Geweckt wurde ich an der alten sternburg-brauerei. Prost!

In lützschena. Da war die bahn aber schon in schkeuditz gewesen.

Es gab einen lauten knall. Aber es waren keine durchgeknallten fußballfans mit einem rest von pyrotechnik, ne, das waren echte terroristen. Die sprangen in die bahn und klebten zuerst kaugummies auf die kameras in der bahn, fuchtelten mit knarren rum und drangen in die führerkabine ein und zwangen den fahrer normal weiterzufahren und auf der frontanzeige ein "betriebsfahrt - nicht einsteigen"-schild zu zeigen. Dann stellte sich ein vermummter in die mitte der bahn und verkündete: " diese bahn ist vom kommando auto als geisel genommen". Auto steht für antiuntertunnelungsorganisation und forderte den Bau des leipziger citytunnels zu stoppen und weiter, verkehrsminister wolle tiefensee solle nackt einen fahrradcorso anführen, und der bisher gebaute tunnel solle als aufmarschort für nazis und andere ewig gestrige genutzt werden, wobei wahlweise gülle oder rote brause eingeleitet wird.

Mir war klar, daß diese forderungen nicht erfüllt würden und stellte mich auf eine lange nacht ein. Wir mußten uns auf den boden legen und durften nicht aufblicken. Nur zum rauchen durften wir aufstehen. Außer mir war nur siggi und die drei pickeligen teenager im zug der linie 11, der auch noch "landshut" hieß. Die pickeldies wollten zu einem katherina stürmer konzert ins haus auensee. Die hatten wenigstens kippen dabei. Siggi hatte die heldenidee, daß wir soviele kippen, so in den mund nehmen, daß die brennenden Glutlichter ein SOS ergeben. Leider waren wir zu wenige und es wurde nur ein SU, womit natürlich niemend was anfangen konnte.

Einer der teenies wäre dann bei altscherbitz fast aus der bahn gefallen, als er seine konfirmandenblase während der fahrt aus der geöffneten tür entleeren mußte. Ich weiß nicht mehr, wie oft wir am bahnhof vorbeifuhren und komischerweise kam uns nie eine bahn entgegen. Die terroristen verhandelten über handy mit der stadt. Zum glück wußte die nicht, daß nur zwei säufer und drei 17jährige in der bahn waren. Polizei war nicht zu sehen. Eine forderung der kidnapper. Irgendwann, es war schon hell, durfte ich am schillerplatz in markkleeberg-ost austeigen. Die terroristen verschwanden in einem dort parkenden bus mit chemnitzer nummernschild; bestimmt gefälscht. Ich bin dann heim gelaufen. Ich war noch nicht ganz zur tür rein, als mir meine olle 'n paar in die fresse gegeben hat, weil ich mich wieder die ganze nacht rumgetrieben hätte. Als ich mit der entführung anfangen wollte, konnte ich gerade noch ihrem nächsten schlag ausweichen und mich ins bett flüchten.